Geflügelte Freunde

Wenn ich – wie heute – eine Biene oder Hummel mitten auf dem Gehweg sitzen sehen, dann versuche ich immer, sie mit einem Blatt oder Stöckchen aufzuheben und an einen nahegelegenen Ort zu bringen, an dem sie Nahrung in Form von Blüten findet.

Das ist oft sehr schwierig. Vorletztes Jahr war ich zu Ostern in Bielefeld und wir sind mit einer entkräfteten Hummelkönigin, die wir mitten in der Fußgängerzone gefunden haben auf einem Stück Papier, 10 Minuten lang gelaufen, bis wir in einem Park als Nahrung geeignete Sträucher gefunden haben. Auf dem Weg dahin gab es schon eine Menge anderer Blüten, aber das waren nur Stiefmütterchen und Zierkirschen, die keinen Nektar für Insekten bieten. Denn sie sollen vor allem toll aussehen und dafür wurden bei ihnen die Staubgefäße, die Nektar und Pollen enthalten zugunsten von mehr Blütenblättern weggezüchtet.

Daher habe ich spontan noch einen Zwischenschritt eingeschoben und einige insektenfreundliche Frühblüher gekauft: Wildtulpen, Narzissen, Steinbrech, Vergissmeinnicht und Gämswurz und noch eine Tüte bienenfreundliche Seedballs.

Die Mitarbeiterinnen im Blumenladen haben mir erzählt, dass so früh im Jahr noch keine Bienen unterwegs sind, aber das stimmt nicht. Sobald es über 10 Grad warm wird, fliegen Bienen aus, und Hummelköniginnen können sogar ab 2 Grad schon ausfliegen und sich auf Nahrungssuche begeben.

Zusätzlich habe ich noch ein Insektenhaus mitgebracht, denn nicht nur die Nahrungssuche ist für die Insekten ein Problem, auch Nistplätze finden sich in unseren aufgeräumten Gärten nur wenige. Und das nächste, was ich besorgen oder basteln werde, ist eine Vogel- und Insektentränke, denn auch Wasser findet sich in Städten nicht unbedingt so häufig, wie kleine Tiere, die nicht so weit fliegen können, es brauchen könnten.

Dazu fällt mir eine schöne Übung ein, mit der ich mich für heute gerne verabschieden möchte: Stellt euch einmal vor, ihr wäret ein Schmetterling oder eine Hummel – wie sieht eure Straße, euer Viertel aus dieser Perspektive aus? Würden diese Insekten Nahrung, Wasser und einen geeigneten Nistplatz finden? Was genau brauchen sie überhaupt?

Vielleicht könnt ihr irgendwo in eurer Umgebung eine kleine Wasserstelle einrichten? Ein Untersetzer von einem Blumentopf, in dem sich Regenwasser sammelt – mit einem Stöckchen oder Stein drin, damit die Insekten nicht ertrinken – kann schon ausreichen. Oder ihr könnt Wildblumen aussäen oder sogar einen Haufen Steine, Blätter oder Äste liegen lassen, denn was für den einen nach Unordnung aussieht ist für den anderen ein willkommener Lebensraum.

Über judith 8 Artikel
Judith ist Historikerin, Schuhmacherin und Permakultur-Designerin und schreibt auf Permakultur praktisch über urbane Permakultur und ihre Balkongarten.

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