Eine Regentonne in jedem Garten! Mindestens.

Jeder mit Garten sollte eine Wassertonne haben. Auch die Optik ist da kein Hindernis mehr – denn es gibt diverse Alternativen zur schnöden blauen oder grünen Tonne. In diesem Artikel stelle ich dir die Vorteile von Regenwasser vor und helfe dir zu bestimmen wie viele Tonnen du brauchst und gebe dir Empfehlungen für verschiedene Modelle.

Regenwasser nutzen – ein No-Brainer

Leitungswasser gelangt unter hohem Aufwand zu uns: zuerst wird es aus dem Boden gepumpt und dann über ein Rohrleitungssystem in unsere Häuser. Wir zahlen dafür, dass es zu uns kommt und noch einmal, wenn wir es dann gebraucht wegspülen. Das ist, wenn man es genauer betrachtet, reiner Wahnsinn. Denn eigentlich fallen in Deutschland pro Quadratmeter 700 Liter Wasser im Jahr vom Himmel auf den Boden.

Einen Teil dieses Wassers kannst du leicht nutzen, indem du eine Wassertonne aufstellst. Das hat nicht nur den Vorteil, dass es Energie und damit Geld spart, sondern ist auch besser für die Pflanzen und deinen, denn diese Vertragen Regenwasser besser als Leitungswasser.

Auch ohne die genaue Rechnungen kannst du dir eine Regentonne aufstellen: denn jede Tonne ist besser als keine Tonne, selbst, wenn das gesammelte Wasser nicht für deinen ganzen Garten oder den gesamten Sommer ausreicht. Du kannst dir dazu dir dafür eine Auswahl von Tonnen weiter unten im Artikel ansehen.

Wenn du es genauer wissen und planen möchtest, wie viele Regentonnen du aufstellen musst, um wirklich gut über die trockenen Zeiten zu kommen, musst du wissen:

  1. Wie viel Wasser dein Garten braucht und
  2. Wie viel Regenwasser du sammeln kannst

Und das schauen wir uns jetzt an.

Wie viel Wasser brauchst du im Garten?

Während der warmen Jahreszeit – also circa 20 Wochen von April bis September im Jahr – benötigen Gärten circa 20 Liter Wasser aus der Gießkanne oder dem Gartenschlauch pro Quadratmeter Garten und Woche.

Beispielrechnung. Ein mittelgroßer Garten hat in Deutschland circa 50 Quadratmeter Fläche. Wie viel Wasser brauchen wir dafür?

  • Menge benötigtes Wasser pro Woche = 50 x 20 = 1000
  • Menge benötigtes Wasser für die warme Zeit = 50 x 20 x 20 = 20.000

Für diesen Garten werden also 1.000 Liter pro Woche benötigt. Das sind also 4.300 Liter im Monat, weil ein Monat ungefähr 4,3 Wochen hat. Und für die 20 Wochen in der warmen Jahreszeit macht  das 20.000 Liter Wasser. Das sind 20 Kubikmeter Wasser.

Ihr könnt euch jetzt ausrechnen, wie viel Wasser ihr für euren Garten im Sommer benötigt. Dafür braucht ihr die Maße eurer bepflanzten Fläche:

  • eure Gartenfläche = Länge eures Gartens x Breite eures Gartens

Macht euch keine Gedanken, wenn euer Grundstück etwas unregelmäßig geformt ist oder ihr den Wert nur ungefähr wisst oder herausbekommt. Es geht um Faustwerte.

Multipliziert den Wert für eure Gartenfläche mit 20 für die Liter pro Woche. Das ergibt den Wasserbedarf eures Gartens für eine Sommerwoche. Wenn ihr diese Zahl noch einmal mit 20 (für 20 Wochen) malnehmt, erhaltet ihr den Wasserbedarf für die gesamte warme Zeit. Hier noch einmal zusammengefasst:

  • Menge benötigtes Wasser für die warme Zeit = Länge eures Gartens x Breite eures Gartens x 20 x 20.

Jetzt weißt du wie viel Wasser dein Garten benötigt. Als nächstes beantworten wir die Fragen wie viel Wasser du auf deinem Grundstück sammeln kannst. Damit kannst du dann überlegen wie viele Tonnen du aufstellen willst.

Wie viel Wasser kannst du sammeln?

Dachfläche. Wenn du deine Dachfläche oder Dachflächen (also Haus, Carport und Schuppen) kennst, kannst du diese Werte direkt verwenden. Andernfalls findest du hier einen Rechner. Du kannst auch erst einmal vereinfacht so rechnen:

  • Dachfläche = Länge x Breite des Hauses

Je nachdem wie steil dein Dach ist, ist der Wert, den du so berechnest zwar sehr grob, denn steile Dächer haben eine größere Fläche als flache Dächer.

Niederschlag. Wenn du genauer wissen willst, wie viel Regen bei dir fällt, dann kannst du den Wert aus dieser Niederschlagskarte für deine Region oder von dieser Seite weiter unten für deine oder die Stadt ablesen die deinem Wohnort am nächsten ist. Willst du es noch genauer wissen, dann stelle dir einen Regensammler auf – mit dem kannst du dann messen wie viel Niederschlag du genau bei dir hast. Du kannst aber auch vereinfacht von 50mm bzw. 50 Liter pro Quadratmeter pro Monat ausgehen (Quelle). Die wenigsten Orte in Deutschland bekommen weniger Regen ab.

Beispielrechnung. Betrachten wir ein Haus mit einer Länge von 14m und Breite von 7 Metern. Das Dach hat mit Überständen mindestens eine Fläche von 100 Quadratmetern. Der Wert stimmt genau, wenn es ein Flachdach ist. Hat das Dach hingegen eine leichte Neigung (30 Grad), dann hat das Dach eher eine Fläche von 120 Quadratmetern und ein steiles Dach (60 Grad Neigung) sind es sogar eher 200 Quadratmeter. Weil die Werte schön einfach sind, nehmen wir für die Beispielrechnung:

  • 100 Quadratmetern für die Dachfläche und
  • 50mm bzw. 50 Liter pro Quadratmeter für den Niederschlag.

Auf den 100 Quadratmetern Dachfläche kannst pro Monat 5.000 Liter Wasser einfangen: 100 * 50 = 5.000. Das sind 5 Kubikmeter.

Für unseren Beispielgarten mit 50 Quadratmetern haben wir ausgerechnet, dass dieser im Monat 4.300 Liter oder 4,3 Kubikmeter Gießwasser benötiget. Von unserer 100 Quadratmeter großen Dachfläche würden wir also genug Wasser für den 50 Quadratmeter Garten „ernten“!

Da der Regen nicht auf einmal fällt und du ja auch immer mal wieder gießt und so die Tonnen also regelmäßig wieder leerer wird, brauchst du jetzt nicht deinen ganzen Garten mit 5 Kubikmeter Tanks vollzustellen. Stattdessen reicht es, wenn du für jede Dachhälfte unseres Beispielhauses eine 200-300 Liter große Tonne aufstellst – so kannst der Leitungswasserhahn schon meist geschlossen bleiben. Wenn es regnet laufen deine Tonnen voll, die du dann über die nächsten Tage wieder zum Gießen verwenden kannst. Wenn es dann wieder regnet, füllen sich die Tonnen dann wieder usw.

Abschließend interessiert den ein oder anderen vielleicht auch die Frage ob und wie viel Geld man durch die Nutzung von Regenwasser sparen kann. Dazu kommen wir nun.

Wie viel Geld können wir durch die Nutzung von Regenwasser sparen?

Erstaunlicherweise sind die Kosten für Leitungswasser in Deutschland sehr unterschiedlich. Ein Mittelwert sind circa 4,50 EUR pro Kubikmeter (Wasserkosten, Abwasserkosten und Anteil der Grundgebühr).

Für euren eigenen Garten könnt ihr die die Ersparnis durch Nutzung von Regenwasser so ausrechen:

Ersparnis = Kubikmeter genutztes Regenwasser x Kosten pro Kubikmeter Wasser bei euch.

Für unseren Beispielgarten von 50 Quadratmetern und 100 Quadratmeter Dachfläche, können wir mit einem Kubikmeterpreis von 4,5 EUR maximal folgenden Betrag einsparen:

20 Kubikmeter x 4,5 EUR pro Kubikmeter = 90 Euro. So rechnen sich auch teurere Wassertonnen nach ein paar Jahren. Selbst, wenn ihr weniger Wasser auffangt, als ihr braucht oder auch nicht alles Wasser aus der Tonne verwendet, lohnen sich Wassertonnen, da diese bei guter Qualität sehr lange halten.

Hinweis: Um eure Lage zu beurteilen, müsst ihr die Rechnungen oben für eure eigene Situation nachvollziehen! Wenn ihr Hilfe braucht, dann fragt uns gerne – in den Kommentaren!

Welche Wassertonne kaufen?

Zuletzt stellt sich die Frage, welche Wassertonne gekauft werden soll. Hier ein paar Empfehlungen von uns. Als erstes stellt sich die Frage wie du an das Wasser vom Dach kommst. Wenn du in einem der Fallrohre bereits einen Regensammler integriert hast: fein! Dort kannst du deine Tonne drunter stellen. Natürlich müssen die Maße der Tonne passen: die Tonne muss unter den Regensammler passen. Hat euer Fallrohr noch keine Ausleitung bzw. integrierten Regensammler und ist aus Kunststoff, dann könnt ihr z.B. diesen hier (siehe Bild rechts) leicht integrieren. Eine gute Anleitung liefert dieser Artikel.

Regentonnenmodelle

Allgemein kann man sagen: Holz sieht besser aus, Kunststoff hält länger. Klassische Kunststofftonnen sind keine Augenweide. Es gibt dekorative Alternativen, außerdem kann man Regentonnen hinter Büchen verstecken oder Pflanzen dran hochranken lassen. Hier nun eine Auswahl von Regentonnen.

 

Die Klassiker: die grüne Tonne.

Mit zwei dieser 200 L Regentonne von Toomax könnt ihr auf zwei Dachseiten oder einer Dachseite und einem Schuppen Wasser sammeln und habt eure Investition von 100 Euro schnell wieder drin und eure Pflanzen freuen sich über das Regenwasser. Die Möglichkeit, die Tonne auf einem dazu passenden Monoblock als Stand aufzubauen, macht es dabei einfach, das gesammelte Wasser über den Hahn an der Tonne zu entlassen.

Eichentonne

Shabby schicker sind Eichentonnen. Dieses ehemalige Weinfass aus Eiche fasst 225 Liter. Diese Variante kommt sogar mit einer eigenen Handpumpe und Schlauch daher. Wem die Optik gefällt, aber das Handling einer schweren Holztonne zu schwer ist. Es gibt auch Kunststofftonnen im Eichenlook. Ein Beispiel ist dieses Modell. Weitere Modelle findet hier.

Wandtanks

Gerade, wenn ihr wenig Platz habt, dann bieten sich Tanks an, die sich nah an die Wand stellen lassen. Hier ein paar Beispiel: links (300L), mitte (300L) und rechts (360L).

Amphore und Dekotanks

Ich finde, das die Amphoren – inbesondere die mit integrierten Pflanzschalen auch für sich recht gut aussehen. Sie sind aber auch etwas teurer. Hier ein paar Modelle: links (anthrazit, terrakotta oder granit, 360L), mitte (schwarz, 300L mit Pflanzschale) und rechts (terrakotta, 250L mit Pflanzschale). Für Details einfach auf die Bilder klicken.

Dekotanks

Die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden und bei Dekotanks gehen die Meinungen weit auseinander. Mein Fall sind die wenigsten Modelle, aber ich habe hier trotzdem zwei mit abgebildet. Links eine Modell, das wie ein Baumstamm aussieht und rechts eines, das wie ein Stein aussieht. Entscheidet selbst!

Große Modelle für große Dächer und Gärten

Neben Judiths Balkon ackern wir seit vielen Jahren auf einer 3.000 Quadratmeter großen Fläche zusammen mit einigen anderen. Auf so großen Flächen braucht man viel Wasser. Wir haben sowohl einige grüne Tonnen, sowie 3 1.000 Liter IBC-Tanks. Eine etwas hübschere Alternative wären Gabione. Hier jeweils ein Bild.

Für Details einfach die Bilder anklicken.

Regenwasser sammeln und Permakultur Prinzipien.

Das Sammeln und Nutzen von Regenwasser steht im Einklang mit den folgenden Permakultur-Prinzipien:

  • Sammle und speichere Energie: Statt Energie zu investieren, das im Boden versickerte Wasser hochzupumpen, fangen wir es dort ab, wo es herkommt – vom Himmel. Geht ihr noch einen Schritt weiter und bockt eure Wassertonne auf, so wie wir das im Garten tun, dann könnt ihr zudem die Gravitation nutzen, damit das Wasser „von allein“ fließt.
  • Nutze erneuerbare Ressourcen und Leistungen: Wasser ist so oder so ein Naturprodukt, aber den Regen als „erneuerbares Transportmittel“ zu nutzen, statt einer aufwendigen Infrastruktur ist so naheliegend, dass man es fast übersieht.
  • Produziere keinen Abfall: Wir bekommen das bei der Nutzung von Leitungswasser nicht zu sehen, aber die Aufbereitung und auch der Transport von Wasser in unsere Häuser erfordert die Aufwendung von Ressourcen und Energie, die letztlich in Abfällen und Abgasen resultieren.
  • Nutze kleine & langsame Lösungen: Im Vergleich zu einer Regenwasserbrauchanlage, die im Einzelfall vielleicht Sinn macht, ist eine einfache Regentonne eine deutlich einfachere, kostengünstigere, wartungsärmere und folgenlosere Lösung für das Problem: wie erfülle ich meine Wasserbedürfnisse regenerativ?

Buchempfehlungen

Wer sich weiter mit dem Thema Regenwasser sammelnd und nutzen beschäftigen möchte, dem kann ich die im gut verständlichen Englisch geschriebenen Bücher meines Permakultur-Lehrers Brad Lancaster empfehlen. Das sind:

Ressourcen: Niederschlag, Temperatur und Sonnenschein

Daten: http://www.wetter.de/klima/europa/deutschland-c49.html

Ich wünsche euch viel Erfolg in eurem Garten – hoffentlich bald auch mit Regenwasser!

Über Frank Wolf 8 Artikel
Ich schreibe Artikel und zeichne Illustrationen zu diversen Themen rund um ein einfaches und zufriedenes Leben. Auf genughaben.de findet ihr 250+ Artikel von mir zu den Themen Minimalismus, persönliche Finanzen, gesunde Ernährung, Bio-Gärtnern, Permakultur, guten Konsum, Geldanlagen, Psychologie usw.

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